Themenabend Rassismus

Was ist Rassismus und wie funktioniert er?

Rassismus ist die Idee, dass die Menschheit aus verschiedenen Rassen bestehen würde, die jeweils verschiedene Merkmale hätten. Dabei gibt es nicht nur die Aufteilung der Menschen nach äußerlichen Merkmalen also „Rassen“, sondern auch nach angeblich historisch gewachsenen Kollektiven wie die Arier, die sich wohl kaum von Niederländer, Österreichern oder Dänen unterscheiden.

Im Rassismus werden Taten von Einzelnen auf ganze Gruppen bezogen. Durch diese Verallgemeinerung und Hervorhebung von Besonderheiten kann man dann die jeweiligen unterschiedlichen „Völker“ anders werten. Dieser Wertung wird im Interesse der jeweiligen Rassisten ausgelegt und zur Legitimierung von Macht und Privilegien benutzt.

Albert Memmi isoliert folgende Elemente von Rassismus:

1. die Hervorhebung von Unterschieden

2. die Wertung dieser Unterschiede

3. der Gebrauch dieser Wertungen im Interesse des Wertenden, insbesondere zur Legitimierung von Macht und Privilegien.[i]

Dabei wird durch die Kennzeichnung der „Anderen“ immer sogleich auch künstlich ein „Wir“ geschaffen. Durch die Nennung und dadurch die Kennzeichnung eines Merkmals wie Jude oder Moslem in einem anderem Zusammenhang bekommt diese eine Relevanz für diesen. Als Beispiel der Jude A hat viel Geld oder der Moslem B hat seine Frau getötet. Immer wenn Sachen zusammen präsentiert werden, werden sie auch füreinander relevant gehalten. Die Überschrift „Türke schlägt Mann nieder“ ist zwar sachlich richtig, aber die Nennung der Nationalität ist für die Tat irrelevant. Wird dies Merkmal aber trotzdem gebraucht, handelt es sich um eine Sinn-Induktion[ii] durch Zusammenfügen ungleicher Elemente. So wird mehr Sinn in einem Gesamtzusammenhang interpretiert als die Elemente zueinander haben.  Durch die Verallgemeinerung von Merkmalen auf eine ganze Gruppe, wie die meisten Juden wären Banker oder Börsenmakler, findet die Kennzeichnung erst statt. Jeder Rassismus trägt in sich einen Dualismus, die anderen werden als Fremde gegenüber dem „Wir“ wahrgenommen. Der Dualismus ordnet die Welt unter die Entweder-Oder-Struktur. Etwas ist gut oder böse, richtig oder falsch und zu uns gehörig oder nicht. Durch die dualistische Einteilung des Rassismus in eine Ingroup oder Outgroup findet eine Homogenisierung der jeweiligen Gruppen von außen statt.

Oft werden Heute rassistische Diskurse kodiert, da der offene Rassismus von weiten Teilen der Gesellschaft abgelehnt wird. Anstatt den Begriff der Rasse wird oft einfach Kultur verwenden und so auch von einem Kampf der Kulturen statt Rassenkampf gesprochen. Es klinkt irgendwie moderater und man setzt sich nicht in ein Boot mit Neonazis. So wird Kultur „zum funktionalen Äquivalent des Rassenbegriffs“, dies wird als „Kulturalismus“ oder „ kultureller Rassismus“ bezeichnet. Auch wenn in diesen kulturalistischen Diskursen der Begriff Rasse nicht verwenden wird, geben die Kulturalisten die Abwertung und Abgrenzung des „Anderen“ nicht auf.[iii] Der Einzelne wird zum Objekt, weil er nur als ein Teil einer bestimmten Kultur gesehen wird, so sollen Mitglieder ethnischer Gruppen die gleiche Kultur haben. Dabei wird von jeglicher Jugend- und Subkultur abstrahiert und von der Kultur einer bestimmten Nation oder Ethnie gesprochen. Kultur kann nur den „Rassenbegriff“ ersetzen, wenn man davon ausgeht, dass Kultur starr ist und sich nur in langen Zeiträumen verändert.[iv] Dieser Definition von Kultur hält aber eine genauere Untersuchung nicht stand. Alleine wenn man die Entwicklung der Familie in Deutschland sich in den letzten 50 Jahren ansieht, wird man erkennen können, dass Werte- und Moralvorstellungen als Wesensmerkmale der Kultur sich im stetigen Wandel befinden. Auch befindet sich die Gesellschaft im stetigen Wandel, in den letzten 20 Jahren ist z.B. der Ostblock zerfallen, verschiedene Kriege haben die Grenzen von Ländern verändert, Jugoslawien wurde zerschlagen,  aus Freunden wurden Feinde und die radikale Linke wurde in Europa marginal.

[i] Zit. nach: Riepe, Regina & Gerd, „Du schwarz – ich weiss: Bilder und Texte gegen den alltäglichen Rassismus“, 1992

[ii] Sabine Schiffer, „Die Darstellung des Islams in der Presse. Sprache, Bilder, Suggestionen. Eine Auswahl von Techniken und Beispielen“, Ergon-Verlag, 2005.

[iii] Angelika Magiros (2004): Kritik der Identität. ‚Bio-Macht‘ und ‚Dialektik der Aufklärung‘ – Werkzeuge gegen Fremdenabwehr und (Neo-)Rassismus. Münster 2004, insbes. S. 166 ff..

[iv] Eine Weitere Ausarbeitung über Kulturalismus: Kulturkampf – Volk, Nation, der Westen und die Neue Rechte, Kiepenheuer & Witsch, Köln 1995, ISBN 3462024116; Institut für Wissenschaft und Kunst: Rassismus und Kulturalismus. Mitteilungen des IWK, 1997, Nr. 3.

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